Allgemein
Techno wird vielerorts als Sammelbegriff für verschiedene, miteinander verwandte Stilrichtungen verwendet und bezeichnet auch eine Bewegung der Jugendkultur, die vor allem in den 90er-Jahren von Bedeutung war.
Entstehung
Von Stockhausen und Sala zu Kraftwerk
Karlheinz Stockhausen und Oskar Sala gelten als die frühen Pioniere der Elektronischen Musik. Ihre Ideen und Werke verbanden Klassische Komposition mit Technologie. Ende der 60er und Anfang 70er waren sie Inspiration für die zeitgenössische Musik der Formation Kraftwerk aus Düsseldorf. Kraftwerk war stets auf der Suche nach der perfekten (positiven) Symbiose zwischen Mensch und Maschine und legten mit ihrem vierten Album "Autobahn" (1974) den Grundstein für den Musikstil Elektropop. Als besonders Einflussreich auf die spätere musikalische Entwicklung gelten ihre Alben "Mensch-Maschine" (1978) und "Computerwelt" (1981), die schon teilweise die für Techno typischen minimalistischen, tanzbaren Elemente aufwiesen.
1982 veröffentlichte Afrika Bambaataa den Track "Planet Rock", in dem er die Melodie des Kraftwerk-Songs "Trans-Europe Express" verarbeitete. "Planet Rock" gilt heute als Klassiker des frühen Hip Hop, als Grundstein von Electro bzw. Electro Funk und förderte die Popularität von Kraftwerk in den Vereinigten Staaten.
Europäische Innovatoren
Der italienische Disco-Produzent Giorgio Moroder setzte bereits in den 70er Jahren Synthesizer für repetitive Tanzrhythmen ein. Sein 1977 für Donna Summer produzierter Track "I Feel Love" gilt als Meilenstein in der elektronischen Tanzmusik.
Während bei Kraftwerk zu Beginn der 80er-Jahre eine längere kreative Pause folgte, leisteten andere europäische Bands und Produzenten weitere Pionierarbeit, die viele spätere Techno-Elemente vorwegnahm oder beeinflusste.
Die Gruppe DAF prägte mit ihrem durch brachiale Bass-Sequenzerläufe bestimmten Sound den EBM-Stil, der oft als ein Vorläufer von Techno betrachtet wird.
Die Veröffentlichungen der Schweizer Formation Yello brachten Innovationen im Bereich des Sampling und ungewöhnliche Rhythmusstrukturen, die später vor allem europäische Techno-Produzenten beeinflussten.
Der tanzorientierte Synthesizer-Pop der britischen Band Depeche Mode wird von den Detroiter Techno-"Erfindern" Derrick May, Kevin Saunderson und Juan Atkins regelmäßig als Einfluss genannt.
Jean-Michel Jarre leistete in den 70er- und 80er-Jahren Pionierarbeit im Bereich melodiöser Synthesizer-Musik und war eine wichtige Inspirationsquelle für die spätere Techno-Abspaltung Trance.
Weiterentwicklung
Nach dem schnellen Untergang der Acid House-Ära kam zu Beginn der 90er-Jahre Techno und verbreitete sich in Europa so schnell, dass das selbe Schicksal wie bei Acid House schon nach kurzer Zeit nicht mehr denkbar war. Veröffentlichungen wie "Das Boot" von U 96 (1991), "James Brown is dead" von L.A. Style und "Don’t you want me" von Felix (1992) waren erste Charterfolge von Produktionen, die sich an Techno orientierten. Auf die Massen ausgerichtete Kreuzungen zwischen Techno, House und Pop entstanden und wurden unter dem Begriff Dance verbreitet. Bekannte Vertreter waren 2Unlimited und Culture Beat.
In der Techno-Szene entdeckte man in dieser Zeit den TB-303 wieder, den kleinen Synthesizer, der für den charakteristischen Klang von Acid House verantwortlich gewesen war. Der Acid Techno entstand. Parallel dazu begannen Produzenten und Komponisten wie Harald Blüchel und Paul van Dyk, die neuen Techno-Strukturen mit harmonischen Akkorden und Melodien zu verbinden: der Trance entstand und wurde zu einer Abspaltung der Techno-Kultur. In Amsterdam und Rotterdam entwickelte sich währenddessen mit Gabber und Hardcore das genaue Gegenteil und die vollständige Entfernung von allem, was mit Harmonielehre zu tun hat.
Die Vereinigten Staaten hatten zwar mit House und dem Detroit Techno den Grundstein gelegt, spielten jedoch in der weiteren Entwicklung nur eine kleine Rolle. Während sich in Europa eine enorme Stilvielfalt entwickelte und Techno zur kulturellen Bewegung wurde, spielte sich die Szene in den USA weiterhin vor allem im Untergrund ab und die Musik blieb nahe bei ihren klanglichen Wurzeln (siehe z.B. Steve Stoll und Damon Wild). Auch waren die Erfolge der amerikanischen Produzenten in Europa größer als in ihrem eigenen Land und so zogen einige von ihnen um (z.B. Jeff Mills nach Berlin).
In Deutschland entstanden zu Beginn bis Mitte 90er-Jahre regional typische Sounds - meist geprägt durch bestimmte Plattenlabels. So wurde der "Sound of Frankfurt" vor allem durch Harthouse und Eye Q, später auch durch 23 Frankfurt und Frankfurt Beat Productions geprägt. In Berlin war der Tresor Club mit seinem eigenen Label und Produzenten wie Jeff Mills, Daniel Bell und Joey Beltram für härtere Sound wegweisend, im Trance-Bereich war es vor allem MFS und für Rave-Sound Low Spirit (von Westbam). Populärer Acid Techno kam aus Hamburg (Noom Records) und Essen (Important Records).
1994 schafften es erste Trance-Produktionen in die Charts und es wurden vermehrt Pop-Songs veröffentlicht, deren Geschwindigkeit und Rhythmus sich an Techno orientierte (z.B. Dune und Blümchen). Selbst in der Volksmusik wurden immer häufiger harte elektronische Bassschläge auf die Viertel verwendet.
Während in den Niederlande vor allem harter Techno und in Deutschland vor allem Trance und Acid populär waren, fand ab Mitte bis Ende 90er ein Wechsel statt. In den Niederlande entstand der Dutch Trance mit DJ Tiesto als einer der führenden Figuren und in Deutschland erfreute sich der durch Chris Liebing geprägte Schranz immer größerer Beliebtheit.
Die wichtigsten Stilrichtungen
Detroit Techno
Detroit Techno ist besonders modern in seiner Anschauung. Es ist ein hypnotisierender Untergrund von neuer Musik, der in die Zukunft blickt, mit der Vergangenheit bricht und europäischen Industrial-Pop mit schwarzem US-amerikanischen Garage Funk mischt. Derrick May meinte, dass "seine Musik über den Beat hinausgeht". Es ist nicht einfach nur Dance Music sondern eine Abfolge von Sound-Experimenten, die der Logik der einfachen und unkomplizierten Dance-Sounds wie Chicago House trotzen. Derrick May: "Die Philosophie, die seit Beginn hinter dem Begriff Techno aus Detroit steht, meint Individualität, Innovation, to be first and on top, und befindet sich in erklärtem Gegensatz zu dem, was wir schon immer unter bürgerlichem Konformismus verstanden haben, unter Industriedienlichkeit und Kommerzialisierung. Techno sollte den Menschen eine Alternative sein." May wandte sich immer wieder gegen die Kommerzialisierung und gegen die Unwissenheit der Geschichte und der Herkunft des Techno.
Acid Techno
Nachdem die Acid House-Welle Ende der 80er verebbt war und Techno aufkam, verbreitete sich 1991 und 1992 eine Weiterentwicklung des alten Acid-Sounds: Acid Techno. Die Grundstrukturen waren mit Techno identisch, aber das Hauptthema war jeweils ausschließlich auf den typischen Sound des Roland TB 303-Synthesizers fixiert. Die meisten Produktionen beinhalteten lediglich einen Vier-Viertel-Takt mit einer Bassdrum auf jeden Viertel, Hi Hats auf den dazwischen liegenden Achtel, einer Snare oder Hand Claps auf jeden zweiten Viertel, wenigen Rhythmus-Ergänzungen mit Toms oder Rimshots und einer, zwei oder auch drei zentralen Acid-Sequenzen. Diese Acid-Sequenzen wurden im Verlauf des Tracks mit den Modulationsmöglichkeiten des TB 303 verändert und variierten von tiefem Brummen bis zu hohen, kreischenden und beissenden Klängen. Vor allem das schmatzende Geräusch, das durch das Hochdrehen des Resonanz-Reglers entsteht, weckt die Assoziation zu Acid (englisch für Säure).
Der Höhepunkt der Acid Techno-Welle war 1994 erreicht und ging sehr schnell wieder unter. Verschiedene Revival-Versuche blieben bisher erfolglos.
Minimal Techno
Als Minimal Techno bezeichnet man eine Stilrichtung des Techno, die sich durch minimalistische Arrangements auzeichnet. Es ist im wesentlichen eine experimentelle Weiterentwicklung des traditionellen Techno aus Detroit (Detroit Techno). Als Urvater gilt der DJ und Produzent Robert Hood.
Meist bestehen die Minimal-Techno-Tracks nur aus den typischen Four-To-The Floor Drums (meist Sounds des Drumcomputers TR-909), Synth-Bass und Effekten. Es wird mit einzelnen Klängen, Klangvariationen und Unregelmäßigkeiten in der sonst monotonen Struktur der Komposition experimentiert. Oft werden überraschende Effekte oder fragmentierte Melodien eingestreut. Grundsätzlich ist Minimal Techno dennoch atonal, Ausnahmen bestätigen die Regel.
Durch die eher langsame Geschwindigkeit und die starke Monotonie kann diese Musik sehr hypnothisch wirken und wird sowohl auf der Tanzfläche, als auch im Chill out-Floor gespielt.
Eng verwandt mit dem Minimal Techno ist der Minimal House, auch Microhouse genannt, der Unterschied liegt größtenteils in der langsameren Geschwindigkeit und der öfters angedeuteten Verbindung zum Funk.
Für seine Minimal House-Szene wurde in Deutschland vor allem Köln bekannt. Erfolgreiche Interpreten auf nationaler Ebene sind Wolfgang Voigt, Decomposed Subsonic, Steve Bug und Thomas Brinkmann. Auf internationaler Ebene zählen Richie Hawtin, Robert Hood, Daniel Bell und Ricardo Villalobos zu den populärsten Vertretern.
Trance
Trance ist eine Form von elektronischer Musik, die sich stark an Techno orientiert, aber der Harmonielehre folgende Akkorde und Melodien beinhaltet.
Der Grundrhythmus ist im 4/4-Takt, jeder Viertel wird durch eine Bassdrum betont. Ergänzende Elemente sind Hi-Hats, Snares und Handclaps. Im Gegensatz zu Techno folgen Trance-Produktionen oft klassischen Songstrukturen mit Strophe und Refrain. Die Harmonien bestehen typischerweise aus tragenden Synthesizer-Akkorden und höheren Melodie-Sequenzen. In den 90er-Jahren wurde für Basslinien häufig auch der TB-303 eingesezt.
Goa
Goa (604), auch als Psychedelic Trance oder Psytrance bekannt ist eine Art elektronische Musik und gehört dort zum Genre Trance.
Hierbei gilt zu unterscheiden, dass es einmal den wie schon erwähnten Psychedelic Trance( sehr schnelle Abfolge von Effekten und Bässen)gibt, [z. B. Infected Mushroom u. a.] sowie aber auch den Goa, der mit Effekten und Bässen eher langsamer, sparsamer und gezielter umgeht [z. B."Atmos- Headlancer"]und sehr eindrucksvolle Soundlandschaften darstellt.
Hardcore Techno
Hardcore Techno ist der Oberbegriff für die schnellsten Varianten der Technomusik und bewegt sich in einem Tempospektrum ab ca. 160 BPM.
Einige bekannte DJ's, die man dem Techno zuordnet
Deutschland
Alter Ego
Chris Liebing
Der dritte Raum
DJ Hell
Dr. Motte
Heiko Laux
Johannes Heil
Monika Kruse
Sven Väth
Talla 2XLC
Wolfgang Voigt
Westbam
International
Adam Beyer
Carl Cox
Dave Clarke
Jeff Mills
Juan Atkins
Ken Ishii
Miss Djax
Richie Hawtin
Speedy J
Takkyo Ishino
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